Kaiser Karl I von Österreich: seine Entscheidungen, sein Einfluss, sein Exil...

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Über das Leben und Wirken des Habsburger Kaisers Karl I von Österreich

Als Regend

Nach dem tödlichen Attentat von Sarajevo auf Kaiser Franz Josef bestieg Karl den Thron der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.

Anders als sein Vorgänger zeichnete er sich als ein sehr aktiver Machtinhaber aus, der in vielen Sitzungen des Ministerrats selber den Vorsitz führte. Auch am realen Kriegsgeschehen nahm Karl durch häufige Frontbesuche weit größeren Anteil als andere Monarchen. Bereits 1916 übernahm der das Oberkommando der Armee. Seine innenpolitische Voraussicht kann man unter anderem im Frühjahr des Jahres 1917 erkennen, als er Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorff absetzte und damit einer Entwicklung den Riegel vorschob, wie sie zur selben Zeit im Deutschen Reich vonstatten ging. Dort wurde die Innen- und Außenpolitik von den populären Generälen Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff fast gänzlich kontrolliert, während Kaiser Wilhelm II größtenteils machtlos blieb.

Eine weitere Besonderheit, durch die Kaiser Karl I ins Auge fällt, ist seine Beziehung zu seiner Frau Zita von Bourbon-Parma, mit der er viele seiner politischen Entscheidungen besprach und sich ihren Rat und Meinung anhörte.

Sozialpolitik

Zu den politischen Errungenschaften des Doppelmonarchen zählen einige sozialpolitische Maßnahmen, die er bereits 1917 durchsetzte, so z.B. der am 28. Januar eingeführte "Mieterschutz" und die Schaffung zweier Ministerien; zum einen das Ministerium für soziale Fürsorge sowie das Ministerium für Volksgesundheit. Im Zuge seiner Sozialpolitik wurde in Österreich Viktor Mataja der erste Sozialminister in der Geschichte. Die Maßnahmen wurden aufgrund der Verarmung breiter Bevölkerungsschichten während des 1. Weltkrieges erforderlich.

Friedensbemühungen

Am Ende des Jahres 1916 ernannte Karl I von Österreich Ottokar Czernin zum Außenminister, da dieser Karls Ansicht teilte, dass ein baldiger Friedensschluss absolut notwendig sei. Wenige Tage zuvor hatte Karl bereits ein Friedensangebot ausgesprochen, dass jedoch an der Weigerung des Deutschen Reiches scheiterte, konkrete Friedensziele zu formulieren. Weiterhin bemühte der Monarch sich um Friedensverhandlungen, besprach sogar im Geheimen einen Seperatfrieden, der einen Bündnisbruch mit Deutschland bedeutet hätte. Die Distanz zu dem mitteleuropäischen Waffenbruder wurde weiterhin verschärft durch seine Vorbehalte gegen den Einsatz von Giftgas, die Bombardierung von Zivilisten und dem uneingeschränkten U-Bootkrieg. Letztendlich mussten alle Friedensbemühungen scheitern, wobei unter anderem auch Karl eine Teilschuld trägt, durch seine Weigerung jeglichen Gebietsverlust von Österreich-Ungarn zu akzeptieren, während Deutschland Elsas-Lothringen an Frankreich abtreten sollte. Diese außenpolitischen Ansichten sorgten Ansehensverluste in Deutschland und in deutschnationalen Kreisen innerhalb Österreichs.

Regierungsverzicht

Am 11. November 1918 verzichtete Karl I "auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften" und antwortete damit auf die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm und seinen eigenen gescheiterten Versuchen, mit dem "Völkermanifest" wenigstens die österreichische Hälfte seines Reiches zu bewahren. Per Gesetz wurden die Angehörigen der Habsburger Dynastie des Landes verwiesen. Karl starb bereits am 1. April an einer Lungenentzündung auf seiner Exilinsel Madeira.

Kaiser Karl I von Österreich

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